Montagsfrage: Welche Dinge kannst du nicht mehr lesen?

08th Juli 2013

montagsfrage_banner

Die Montagsfrage von Paperthin für diese Woche lautet:

Welche Dinge kannst du nicht mehr lesen?

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr fällt mir dazu ein, weshalb ich damit jetzt wohl besser aufhöre und mich auf die Top 5 der Dinge, die mich auf die Palme bringen, konzentriere. Interessanterweise haben alleine drei davon mit den ach so tollen Romanzen zu tun.

Mein absolutes Worst-Case-Szenario: LOVE TRIANGLES! Wenn es eine Sache gibt, die ich auf den Tod nicht ausstehen kann, dann sind es Dreiecksbeziehungen. Meistens ist deren einziger Sinn, mich zu ärgern – zumindest hat sich mir bisher sonst keiner erschlossen. Sie sind meist (eigentlich würde ich ‚immer‘ schreiben, aber man hat mir beigebracht, nicht zu verallgemeinern) total vorhersehbar und deshalb absolut unnötig. Oft scheinen sie nur deshalb zu existieren, um den zweiten Teil einer Trilogie zu füllen. Und soweit ich mich entsinne, treten sie immer im Rudel mit einer anderen Sache auf, die ich ebenfalls nicht leiden kann:

Insta-Love! Man nehme zwei Charaktere, die sich eigentlich nicht kennen (wobei es in den Paranormal-YA-Romanan anscheinend üblich ist, dass sie sich in einem vorherigen Leben/einem Traum/was weiß ich wo bereits begegnet sind – und im Zweifelsfall ist es eben einfach Schicksal), knapp 100-200 Seiten und lässt sie dann von der einzig wahren großen Liebe faseln – obwohl sie meistens gerade mal 16 sind. Ja-nee, also so gehts mal wirklich nicht! Erstens fehlt da schon alleine der Reiz, beim Lesen mit den beiden mitzufiebern, wie sie sich langsam aneinander herantasten, den ersten Kuss erleben und Höhen und Tiefen durchlaufen, zum anderen ist das einfach unrealistisch. So schnell kann man nicht von Liebe reden, wenn man sich doch noch gar nicht kennt. Wenn man das nicht als Liebe sondern als starke Verliebtheit und/oder Anziehung verkaufen würde, dann hätte ich absolut nichts daran auszusetzen.

Mädels, deren Leben sich nur noch um einen Typen dreht, oder, wie ich sie gerne bezeichne, die Wackeldackel: Gut, vielleicht habe ich in diesem Zusammenhang einen Knacks. Ich brauche nämlich extrem viel Freiraum und fühle mich daher schnell eingeengt. Deshalb kann ich es einfach nicht verstehen, wie so viele weibliche Charaktere ihr Leben einfach total aufgeben, sobald ein Kerl auftaucht. Sie mutieren zum Wackeldackel, denn sowas wie eine eigene Meinung oder eigene Ziel kann Frau ja nun einmal gar nicht haben – schließlich ist Mr. Liebe-ihres-Lebens ja Gott höchstpersönlich, und hat daher die einzig wahre Sichtweise in allen Dingen. Und deshalb würde die Protagonistin natürlich auch alles für ihre ach so große (insta-)Liebe tun (am liebsten natürlich sterben – wer stirbt schon nicht gerne für einen fast vollkommen Unbekannten, nur weil er vielleicht gut ausschaut?!). Das da mal eine sich hinstellt und mit dem Fuß aufstampft, damit Herr Wunderbar mal nach ihrer Pfeife tanzt, ist mir bisher in der Beziehung entweder noch nie begegnet oder das Buch war so schlecht, dass ich es komplett verdrängt habe. Die können ja alle noch noch nicht mal schlafen, wenn der Kerl nicht da ist! Wie haben die das bis dahin überlebt?!

Little Miss Perfekt: Wenn man also mal all diese Dinge weglässt, die dem Leser als wunderbare Liebesgeschichten verkauft werden, dann gibt es in der Fantasy/Paranormal-YA-Sparte noch mehr als genug Dinge, die einem auf den Wecker gehen mögen. Besonders schlimm finde ich persönlich noch diese Protagonistinnen, die einfach alles können. Nehmen wir Twilight Bella: Nein, natürlich konnten sich ihre speziellen Fähigkeiten nicht darauf beschränken, dass sie sich selbst eben besonders gut unter Kontrolle hat und zufällig immun gegen andere Fähigkeiten ist! Natürlich musste sie auch noch ein Schild sein und deshalb einfach mal alle beschützen/retten. Oder wie wäre es mit Starcrossed Helen? Bei ihren ganzen Fähigkeiten habe ich schon lange den Überblick verloren. Charaktere, die einfach so gar keine Fehler haben sind nicht nur unrealistisch, sondern auch todlangweilig und kein Leser kann sich mit ihnen identifizieren. Da kommt definitiv keine Lesefreude auf.

Dystopien: Leider scheine ich nicht wirklich den Draht zu diesem Genre zu haben. Zwar habe ich bisher auch noch nicht so viel dazu gelesen, aber das Bisschen schreckt mich etwas ab. Was mich an dystopischen Romanen total stört, ist nicht etwa die Dystopie selbst. Das ist ja gerade der interessante Teil! Aber müssen diese Bücher immer davon handeln, das System zu stürzen?! Warum kann man nicht zur Abwechslung einfach mal Charakteren in ihrem Leben folgen, ohne alles auf den Kopf stellen zu müssen? Zwar habe ich das Buch nicht gelesen, aber der Film Never Let Me Go (dt. Alles, was wir geben mussten) war genau das, was ich mir auch mal für die YA-Bücher wünschen würde: eine Story, die furchtbar beklemmend, bedrückend und erschütternd ist und damit zum Nachdenken anregt. Da gibt es kein Friede, Freude, Eierkuchen, wie es eine Dystopie ja nunmal so an sich haben sollte.

 

Mach mit

Du hast zu dem Thema auch was zu sagen? Dann mach doch mit! Die Teilnahme ist ganz einfach: Jede Woche veröffentlicht Paperthin eine neue Montagsfrage, die innerhalb einer Kalenderwoche von dir beantwortet werden kann. Schreibe deine Antwort auf die Montagsfrage als Artikel auf deinem Blog und verlinke diesen im Anschluss hier mithilfe des Formulars.

Share with:

Leave a reply

12 responses

  • Haha, Dreiecksbeziehungen waren auch das Erste, was mir eingefallen ist! Das neeeeerrrrrrrvt, ich könnte ein Buch jedes Mal durch die Gegend pfeffern. Warum ist das bloß so ein Trend?

    • Ich hab keine Ahnung! Mir ist das auch vollkommen unverständlich. Mich machen die so richtig aggressiv, das ich auch schon immer kurz davor bin, mich am Buch zu vergreifen. Die sind echt ne Zumutung.

  • Das meiste davon stört mich gar nicht sooo sehr – vorausgesetzt, es ist gut gemacht. Aber die Diskussion hatten wir (so ähnlich) ja schon mal, glaube ich. 😀
    Ausnahmen sind natürlich der Wackeldackel und Little Miss Perfect. 😀 Gerade Letztere ist ja schon „zu gut“. xD Bei den Wackeldackeln verwundert mich es aber echt immer wieder, wie die klarkommen. Ich mein … all die Jahre zuvor sind sie ja offensichtlich auch nicht gestorben? Aber Moment, ihr Leben war da ja noch nicht komplett. Oder so.

    • Jaaa, hatten wir 😀 ! Also bei der insta-love bins ich meistens auch sehr tolerant. Nur bei love triangles seh ich komplett rot. Das ist einfach nichts für mich.

      Ha! Du hast recht. Denen hat immer ein Teil gefehlt, von dem sie nicht mal wussten, dass er fehlt xD ! Man kann sich auch alles einreden. Moah, so eine ‚Beziehung‘ würde mich ersticken. Dass die noch ihren eigenen Namen wissen, ist ja fast schon ein Wunder.

      • Wie gesagt, ein paar gute Beispiele gibt es (bestimmt). 😀 Dark Currents

        Plot Twist: Den kennen sie gar nicht! Das sind nur die Namen, die sie sich notgedrungen selbstgegeben haben und wenn sie ihren Prinzen endlich treffen, kennt der sie leider, leider ja auch nur unter dem falschen Namen. Wären sie gemeinsam geboren worden, würde sie ihren Namen noch kennen … und vielleicht auch selbstbestimmter sein. Trifft das dann auf Cersei Lannister zu? xD

      • Liebste Shiku, darf ich dir zu deiner bahnbrechenden Analyse gratulieren? Du hast den Weg für neue Interpretationen geebnet. Ich fang gleich mal damit an xD !

        Nimmt man nun aber Cersei als Beispiel, dann bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich wünschenswert ist, den eigenen echten Namen zu kennen. Scheinbar verleitet dieser doch, falschen Vorstellungen vom Leben zu erliegen, die Machtgier, Paranoia und Wahnsinn und dadurch absolute Niederlage nach sich ziehen.

        Und wie schaut es mit all den schicksalsverbunden YA-Charas aus, die sich ja schon aus anderen Zeiten kennen?

      • Oh, danke! Ich wünschte, meine Deutschlehrer hätten mein interpretatorisches Potential erkannt. Oder die Abiturprüfer. D:

        Ja, das ist in der Tat eine schwierige Frage. Vielleicht ist es bei diesen Menschen doch besser, wenn sie jahrelang ahnungslos sind und später nur in ihr teilweises Verderben rennen. Denn mal ehrlich: Wer braucht schon Freiheit, wenn man „Liebe“ haben kann?
        (Wie gut, dass wir einer anderen Spezies angehören!)

        Hrm. Wenn man die Geburt als entscheidenden Faktor nimmt und unsere bisherigen Erkenntnisse betrachtet … dann sind die ganz genauso am Arsch. (Pardon my English.)

      • Besser spät als nie! Man weiß ja nicht, für was man solch ein tiefschürfendes Potential noch gebrauchen kann 😀 .

        Ja nun, wenn man diese Schicksale miteinander vergleicht, dann entscheidet man sich wohl wirklich eher für das Leben eines Wackeldackels mit der illusion von Liebe. Cerseis Position ist eindeutig nicht anzustreben. Womit wir auch schon geklärt hätten, warum es so viele literarische Wackeldackel gibt. Jetzt ließen sich da noch über die Beweggründe der Autoren philosophieren: schreiben sie aus eigener Erwartung? Wollen sie junge Frauen vor dem leidgezeichneten Schicksal der Cersei Lannister bewahren und prangern sie deshalb den Wackeldackel als erstrebenswert an? (Ohhhh jaaa! Alles andere wäre auch nur furchtbar.)

        Allerdings wahrscheinlich fast sogar ein bisschen mehr, da sie doppelt und x-fach um ihre wahre Identität betrogen werden, da sie ja immer nur den falschen ‚richtigen‘ Namen wiederbekommen, den ihnen Mr. Right in einem früheren Leben angedacht hat. Dadurch werden die Hüllern ihrer selbst ja noch weiter gestreckt und gehölt, bis sie selbst nur noch schwache Illusionen von Menschen sind.

        (Ich lach mich hier gerade kaputt xD. So ein bisschen überspannte ‚literatur’kritische Analyse versüßt einem doch immer wieder den stressigen Unialltag.)

  • boah love triangles! da hab ich echt gedacht, davon fang ich jetzt erst gar nicht an XD
    es gibt einfach so viele kleine Aufreger, bei denen ich mich immer wieder frage, ob das nicht auch anders gehen würde, aber viel zu viele Autoren fallen in diese Schemen zurück :/
    ich mag ja Dystopien, aber du hast schon recht, ich finds auch blöd, dass es da immer nur um den Sturz gehen soll. Und oft kommt ja hinzu, dass dem eigentlichen Teil nur ganz wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird, und dass das Liebesleben der Protagonisten wieder im Vordergrund steht…

    • Ich schreib zu denen ehrlich gesagt gerade an einem Blogpost, weil mich Clockwork Prince in der Beziehung so aufgeregt hat xD !

      Ja, ich finde vor allem, dass man sich durch das Bloggen/Bloglesen auch so sehr sensibilisiert. Früher war ich da in vieler Hinsicht viel kulanter, jetzt finde ich aber viel öfter Dinge, die mich stören.

      Ohhh ja, leider! Und das ist dann natürlich meist auch noch ne Mischung aus insta-love und love triangles. Ich finde es sehr schade, dass das für alle Autoren das Nonplusultra zu sein scheint. Mittlerweile bin ich schon so auf diese Romanzen gepolt, dass ich sie an jeder Ecke sehe und auch irgendwie erwarte (falls das Sinn ergibt).

      • oh da bin ich ja mal gespannt! 😀

        ja klar, ich habe jetzt wahrscheinlich auch viel mehr Kritikpunkte also sonst. Ich finds halt einfach so schade, dass so viel Romanzen-Schmonz in Dystopien etc zu finden ist, weil ich wenn ich ne Romanze lesen will doch eher zu Contemporary greife

      • Ha! Und ich erst 😉 !

        Also ich muss zugeben, dass ich schon ganz gerne immer ein bisschen Romanze hätte – nur halt nicht SO! Ich würde auch drei Bücher warten, bis es zum ersten und einzigen Kuss kommt. Ich hätte es einfach gerne als kleine Nebenhandlung neben all dem Chaos und den Kämpfen und wasweißichwas. Weil du schon recht hast: wenn ich mich wirklich auf die Romanze konzentrieren will, dann suche ich mir irgendwas contemporary/chick-lit mäßiges raus. Aber irgendwie liegen mir so ganz reine Schnulzen auch nicht wirklich…